Autorin Andrea Müller hat sich nach zehn Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt. Danach stürzte sie sich ins Singleleben. Was sie dort mit über 40 und zwei Kindern erlebte, erzählt sie im Interview.

Nach der Trennung von ihrem Ehemann wurde Autorin Andrea Müller von ihrem Umfeld häufig als jemand betrachtet, dem etwas fehlt. Als sei sie mit zwei Kindern, aber ohne Mann nicht mehr komplett. Dabei genoss die damals Anfang-40-Jährige ihre neue Freiheit und ihr Leben als Single in vollen Zügen. Und das tut sie auch heute noch.

Wie es ist, nach einer zehnjährigen Ehe wieder Single zu sein, wie sich Flirten mit Ü40 verändert hat und mit welchen Problemen die Hamburgerin als alleinerziehende Mutter zu kämpfen hat, erzählt sie im Interview mit t-online.de.

t-online.de: Sie haben sich vor neun Jahren von Ihrem damaligen Ehemann getrennt. Wie erging es Ihnen damals?

Andrea Müller: Ehrlich gesagt: Es geht einem nie gut nach einer Trennung. Wer etwas anderes behauptet, lügt. So eine Trennung ist meistens ein langer Prozess. Das macht man sich nicht leicht. Wenn es der Vater deiner Kinder ist, dann existiert ja auch dieses Konstrukt Familie. Es verschafft einem Geborgenheit – wenn das kaputtgeht, ist das schwerwiegend und schmerzhaft.

Sie haben sich nach der Trennung ein paar Regeln aufgestellt. Welche waren besonders wichtig für Sie?

Eine wichtige Regel war für mich: Ich muss meinen Kummer auf mehrere Menschen verteilen. Es ist besser, nicht alles immer nur der gleichen Freundin zu erzählen. Das belastet jede Freundschaft zu sehr. Zudem habe ich versucht, dass man mir meinen Kummer in der Öffentlichkeit nicht anmerkt. Ich habe mir gesagt: Nee, ich geh jetzt nicht wie ein Häufchen Elend durch die Welt, ich kann stattdessen im Auto heulen oder im Schwimmbad. Jedenfalls irgendwo, wo man mich nicht kennt. Also nicht unbedingt beim Elternabend.

Finden Sie, dass es getrennte Frauen schwerer haben als getrennte Männer, weil sie anders in der Gesellschaft wahrgenommen werden?

Ja, das ist überhaupt gar kein Vergleich. Selbst 110 Jahre nach Effi Briest bist du als geschiedene Frau so etwas wie der Twingo auf dem Porsche-Parkplatz: einfach falsch geparkt. Gerade in meinem sehr bürgerlichen Umfeld im Hamburger Westen wird man als Single unter vielen Paaren oft mit Argusaugen bestaunt: als unangepasste Mitbürgerin, der die Eingliederung nicht so recht gelungen ist. Als getrennte Frau ist man natürlich eine potenzielle Bedrohung für all jene Ehefrauen, die in weniger stabilen Ehen verharren. Also wird man kaum noch zu Pärchenabenden eingeladen und wenn, ist man immer ein bisschen der Exot. Ein Alien, das in der Welt der Tinder-Dates verkehrt und ganz andere Einblicke in die erotische Welt der Menschen jenseits der 40 hat als solche, die seit 25 Jahren – mehr oder weniger glücklich – verheiratet sind. Männer haben diese Probleme gar nicht, wenn sie sich trennen.

Wie ist es für sie stattdessen?

Alle Frauen stürzen sich oft sofort auf diese Typen, die frisch getrennt sind, gut aussehen, einen guten Beruf haben und ihre Kinder nur alle zwei Wochen sehen. Und die Männer freuen sich über diese Aufmerksamkeit, weil sie oftmals nicht allein sein können. Wir getrennten Frauen hingegen sitzen meistens allein da, aber wir haben glücklicherweise die Kinder. Was sehr, sehr schön ist, aber sie schränken einen in dieser Hinsicht auch ein.

Andrea Müller, Jahrgang 1970, ist Journalistin und Autorin. Über die „Liebe in der zweiten Runde“ hat sie das humorige Buch mit dem Titel „Du kannst dich jetzt ausziehen, wir rauchen hier nackt“ geschrieben. Müller lebt mit ihren zwei Söhnen (11 und 16 Jahre alt) in Hamburg.

Haftet an einer getrennten Mutter auch ein gewisses Stigma?

Ja, der Begriff „alleinerziehend“ ist auch ein bisschen negativ behaftet: Alleinerziehend ist immer so ein bisschen asozial. Man bekommt etwa bei der Bank keinen Dispo mehr. Fast ab Tag eins der Trennung sagte mein Sachbearbeiter zu mir: „Es tut mir leid, aber ich kann leider Ihren Dispo nicht mehr erhöhen, weil Sie ja jetzt getrennt sind.“ Das fand ich unglaublich. Mein Mann hat auch früher nie meinen Dispo ausgeglichen. Das habe ich immer selbst geschafft. Wir hatten immer getrennte Konten. Man bekommt als alleinerziehende Mutter also keinen Dispo mehr und auch keine Wohnung. Ich hätte meine Wohnung nicht bekommen, wenn mein Ex-Mann nicht für mich gebürgt hätte.

Ganzen Beitrag lesen Weiterlesen 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder Sind mit * Kennzeichen